Von einer, die auszog, gendergerecht zu schreiben
Blogposts 'genderfähig' machen
Meine Aufgabe bestand darin, alle bisherigen Posts 'genderfähig' zu machen. Cooles Wort: 'genderfähig'!
Beim 'Gendern' geht es darum, Personen nicht mehr mit dem generischen Maskulinum 'mitzumeinen', sondern andere Wege zu finden, alle anzusprechen unabhängig ihres (gelebten) Geschlechts. Gängige Lösungen sind das Verwenden von sogenannten Genderzeichen, dem Gender-Doppelpunkt, dem Gender-Sternchen, dem Gender-Gap.
Und so habe ich unseren Blog auf Wörter im generischen Maskulinum durchsucht. Kunden, Benutzer, Anwender, Technische Redakteure, Bediener, Konstrukteure waren nur einige der Begriffe, die nicht so maskulin bleiben sollten.
In diesem Beitrag zeige ich Beispiele, die fast alle aus dem Blogpost über HOMAG und Industrie 4.0 entnommen sind. Ich arbeite im oXygen-Editor mit DITA/XML. Die entsprechenden Textauszeichnungen (Tags) habe ich in den Beispielen mit dargestellt.
Terminologie für Genderterme anlegen
Die relevanten Begriffe habe ich in eine Terminologiedatei geschrieben und dort alle Formen des jeweiligen Begriffs eingetragen. So sieht zum Beispiel der Eintrag für den Begriff „Autor“ aus:
Bei der Überarbeitung habe ich diese Terminologie fortlaufend erweitert. Immer, wenn ich beim Lesen oder Schreiben auf die Ansprache einer Zielgruppe im generischen Maskulinum gestoßen bin, habe ich diesen Begriff mit seinen möglichen Gendervarianten aufgenommen.
Wörter durch Genderterme ersetzen
Statt beim Schreiben einfach das Wort Autor
oder Autoren
zu tippen,
referenziere ich solche Begriffe nun als Genderterm aus der Terminologiedatei. Das
sieht dann so aus:
Autorenals Genderterm eingefügt wurde
Jetzt denken Sie vielleicht, Begriffe in bestehenden Texten ersetzen, kann doch so schwer nicht sein. Aber Sie glauben gar nicht, wie häufig die Sätze in unseren bestehenden c-rex.net-Blogposts so geschrieben waren, dass ein einfacher Austausch eines Wortes durch den Genderterm nicht möglich war.
Wir reden in unserem Blog viel von Lesern, Autoren, Anwendern und haben den Fokus des Anwenders, des Technikers und des Dienstleisters zum Thema.
Im nächsten Beispiel haben wir so einen Fall. Da steht … zu wieviel Prozent eine …
Lösung bei anderen Anwendern zum Erfolg geführt hat.
bei anderen Anwendern
Und nun? Umformulieren war angesagt in … zu wieviel Prozent eine … Lösung
andere Anwender zum Erfolg geführt hat.
andere Anwender
Ok, das war leicht. Also weiter geht’s.
Im nächsten Beispiel ist von der Autor … beschreibt
die Rede. Ein einfaches
Austauschen des Begriffs Autor
löst das Problem mit dem 'männlich-maskulinen'
Singular nicht. Ich musste das der
irgendwie loswerden. Warum? Weil bei der
Umstellung ansonsten daraus der Autorin … beschreibt
oder der Autor:in …
beschreibt
werden würde. Nicht schön!
der
Probates Mittel dafür ist die Verwendung der Pluralform. Ich schreibe also nicht mehr
vom Autor
sondern von Autoren
. Daraus kann dann je nach Auswahl der
Darstellung durch unsere LeserLeserinnenLeser und LeserinnenLeser:innen folgendes werden:
-
die Autoren … beschreiben
-
die Autorinnen … beschreiben
-
die Autor:innen … beschreiben
-
die Autoren und Autorinnen … beschreiben
Passt!
Schauen wir uns noch ein Beispiel an. Hier geht es um die Formulierung ein Team
von etwa 150 Mitarbeitern erstellte …
.
ein Team von etwa 150 Mitarbeitern
Daraus wurde nach meiner Überarbeitung 150 Mitarbeiter erstellten im Team …
.
Hm, ist das noch bedeutungsgleich? Ach egal, für diesen Fall macht eine leichte
Bedeutungsverschiebung nichts.
Und so sieht der Textabschnitt nach der Referenzierung des Begriffs aus der Termdatenbank aus:
Team von 150 Mitarbeitern – 150 Mitarbeiter im Team
In unserem Blog können Sie als LeserLeserinLeser und LeserinLeser:in über die Darstellung entscheiden.
Und je nach gewählter Variante sieht die Textstelle im Beitrag so aus:
Das oben genannten Mitarbeiter
-Beispiel hätte man auch anders auflösen
können, indem man im Team
einfach weggelassen hätte. Mir ging es jedoch
nur darum zu zeigen und zu sensibilisieren, dass gendergerechtes Formulieren
manch kleine Herausforderung mit sich bringen kann und man sich darauf
einstellen und das einüben muss.
Fazit meiner bisherigen Erfahrungen
Als Zwischenfazit halte ich für mich fest: Um unseren Blog überhaupt gendergerecht zu schreiben, ist ein gewisser Mehraufwand und die Gewöhnung an eine andere Formulierung notwendig.
Was die Strategien zum Umformulierung angeht, so stellt es sich für mich momentan so dar, als wäre der Verzicht auf Akkusativ, Genitiv und Dativ bei der Nennung von Personengruppen eine gute Idee. Auch die Verwendung von Plural anstatt Singular funktioniert meist gut.
Eine Option zur Umsetzung im c-rex.net-Blog wäre gewesen, einfach den Gender-Doppelpunkt zu verwenden. Wenn ich allerdings – wie bei unserer technischen Lösung – über das Einfügen von Gendertermen zusätzlich die Möglichkeit habe, über die Darstellung der Beiträge unsere LeserLeserinnenLeser und LeserinnenLeser:innen, also Sie, entscheiden zu lassen, freue ich mich umso mehr.
Dann nehme ich den Mehraufwand gern in Kauf, der entsteht für das Aufnehmen neuer Begriffe in unsere Gender-Terminologie und das darauf Referenzieren beim Schreiben.
Der Mehraufwand hält sich in Grenzen. Wenn Sie in unsere Blogposts schauen, sehen Sie an den unterstrichenen Begriffen, dass es gar nicht so viele Genderterme gibt. Viele Begriffe wiederholen sich. Und damit erübrigt sich eine Neuaufnahme in die Gender-Terminologie und die Begriffe können schnell eingefügt werden.
Ich kann Ihnen versichern, dass sich bei mir sehr schnell ein Lerneffekt eingestellt hat. Durch das Überarbeiten bestehender Blogposts bin ich gut in die Thematik hineingewachsen und achte jetzt schon direkt beim Schreiben auf Formulierungen, bei denen das Gendern gut funktioniert.
Ergänzende Tipps sowie einen Verweis auf eine toolgestützte Überprüfung vorhandener
Texte auf gendergemäße Sprache finden Sie im Whitepaper von Congree Gendergerechtes Schreiben mit linguistischer
Intelligenz
, das wiederum auf weitere Quellen zum Thema verweist.
Auch die Website https://geschicktgendern.de enthält nützliche Tipps sowie ein Genderwörterbuch zum
Nachschlagen und Inspiration holen.
Und jetzt sind Sie gefragt!
Es gibt allerdings auch Textstellen, die Stirnrunzeln verursachen. Schauen Sie mal
auf diesen Absatz in der Variante Doppelform
.
Wie geht es Ihnen damit? Gefällt Ihnen das? Ich meine nicht nur dieses Beispiel, sondern das Gendern überhaupt. Schreiben Sie mir hier oder auf LinkedIn, XING oder Facebook. Ich bin gespannt auf Ihr Feedback!
Über Regine Ceglarek
Regine Ceglarek ist seit dem 01.02.2021 an Bord der c-rex.net GmbH. Als technische Redakteurin kümmert sie sich um den Blog und die Dokumentation der Softwarelösungen c-rex.net DTS und c-rex.net IDS.
